live streaming im Post-Corona-Zeitalter

Die Pandemie führte dazu, dass Videokonferenzen und live streaming enormen Auftrieb erhielten. Wir experimentierten in einer Nische: Direktübertragung von Trauerfeiern.  In Absprache mit dem Zürcher Bestattungsamt ermöglichten wir Hinterbliebenen, der Beisetzung eines Angehörigen oder einer Freundin per Computer beizuwohnen. Dies konnte live oder zeitversetzt geschehen, das Klicken auf einen Link genügte, wobei die Trauerfamilie den Kreis der Zuschauerinnen und Zuschauer bestimmte. Drei Kameras mit Ton und Live-Regie gab’s in diesem Angebot für unter 500 Franken. Die Nachfrage war eher bescheiden. Nicht aus unternehmerischer Sicht war das bedauerlich, sondern weil es uns nicht gelang, mehr Menschen mit diesem Angebot zu erreichen. Nie hatten Produktionen von uns ein kleineres Publikum. Dennoch:  für Hinterbliebene, welche sich mit anderen Trauernden auf diese Weise verbinden konnten – teilweise über Kontinente hinweg – war das Dabeisein per Livestream sehr berührend. Dies haben Reaktionen gezeigt.

Aus produktionstechnischer Sicht lautet unser Fazit: live streaming funktioniert auch mit einfachen Mitteln. Wichtig ist, dass das Ziel den Einsatz der Technik bestimmt und nicht umgekehrt. Mit dem hoffentlich baldigen Ende der Pandemie wird auch die Nachfrage nach live streaming (generell) wieder zurück gehen. Gut möglich aber auch, dass Livestreams vermehrt als Angebote zum Nachschauen aufbereitet werden: bei Podiumsdiskussionen, Messeveranstaltungen, Lesungen, etc.

Auch wir werden die Finger nicht von weiteren Experimenten lassen. Kreativität und Innovation sind dann am beständigsten, wenn man sie hinterfragt und erneuert.

Daniel Stadelmann, Inhaber Film Connection GmbH, März 2022